Auf den Spuren von Raoul Wallenberg

Aus „Die Hellersdorfer“ vom Februar 2007

Rudolf-Virchow-Oberschüler stellten Politikern ihre Forschungen vor

„Wir sind sehr stolz auf das Projekt und die Ergebnisse, die in der Ausstellung zu sehen sind. Schließlich darf nicht jede Berliner Schülergruppe ihr Projekt im Abgeordnetenhaus vorstellen.“ Die 19-jährige Jeanne Vogt gehört zu den acht Schülern und Schülerinnen der Marzahn-Hellersdorfer Rudolf-Virchow-Oberschule, die die Verfolgung der Juden von Budapest durch die Nazis 1944/45 und den Kampf des Schweden Raoul Wallenberg um ihre Rettung in einem eindrucksvollen Schulprojekt in eineinhalb Jahren erforschten und phantasievoll dokumentierten. Dies zusammen mit Schülern der Budapester Kontyfa-Mittelschule.
Am 23. Januar wurde im Preußischen Landtag, dem Berliner Abgeordnetenhaus, ihre ungewöhnliche und eindrucksvolle Ausstellung „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ eröffnet. An der Feier in dem hohen, geschichtsträchtigen Haus nahmen neben Virchow- Schulleiter Wolfgang Noetzel auch die Vizepräsidentin des Bundestages Petra Pau und die Marzahn-Hellersdorfer Bürgermeisterin Dagmar Pohle teil. Und mit Blanka Pudler und Edgar Frischmann waren auch zwei jüdische Überlebende des Holocaust aus Budapest extra nach Berlin gekommen. Beide hatten die Berliner Schüler bei ihren Nachforschungen in der ungarischen Hauptstadt kennen gelernt. Blanka Pudler, Jahrgang 1929, die mit 15 Jahren nach Auschwitz deportiert wurde, lobte die Schüler: „Ich bin stolz auf eure Ausstellung und es macht mich froh, wenn ich dazu ein kleines bisschen beitragen konnte.“ Die Marzahner Schülerin Nicole Püschel (20) sieht in den persönlichen Gesprächen mit Zeitzeugen einen großen Gewinn.
„Mich beeindruckten vor allem die außergewöhnlichen Persönlichkeiten, zu welchen die Überlebenden trotz ihrer grausamen Vergangenheit geworden sind.“ Die internationale Arbeit sei etwas Besonderes gewesen. „Dieses Projekt werde ich so schnell nicht vergessen.“
Projekt und Ausstellung gehen aus mehreren Gründen weit über eine einfache Schülerarbeit hinaus. So suchten die Marzahner Schüler nicht nur in Budapest den Kontakt zu Zeitzeugen, von denen sie wissen wollten, wie der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg konkret vorging, um so vielen Juden wie möglich einen Schutzpaß seiner Vertretung ausstellen zu können. Im Oktober 2006 befragten sie dazu in Stockholm auch die noch lebende Schwester von Raoul Wallenberg, Nina Lagergren. Übrigens: Das Geld für die Reisen sammelten die Schüler mit eigenen Schul-Basaren zusammen, teils erhielten sie es von Stiftungen.
Auf der leider nur wenige Tage währenden Ausstellung waren neben Video-Installationen auch mehrere, von den Schülern selbst geschaffene Entwürfe für ein Denkmal für Raoul Wallenberg in Marzahn-Hellersdorf zu sehen. Dort gibt es ja bereits eine Straße und einen S-Bahnhof, die nach ihm benannt sind. Bürgermeisterin Dagmar Pohle versprach, die Idee der Jugendlichen, im Bezirk ein Denkmal für Wallenberg zu schaffen zu unterstützen. Sie will auch dafür sorgen, dass die ungewöhnliche Schau über ein ungewöhnliches Schülerprojekt auch in Marzahn-Hellersdorf selbst noch zu sehen ist.

Peter Kratz