Grüne Gärten statt Grau in Grau

Sueddeutsche.de • Rubrik Reisen • August 2011 • dpa, Andreas Heimann/kaeb

Marzahn in Berlin

Marzahn ist nicht gerade als grüne Idylle bekannt geworden. Und der Stadtteil im Nordosten Berlins gehört auch nicht zu den ersten Adressen für Hauptstadtbesucher. Viele vermuten hier graue Plattenbau-Tristesse – und würden sie auch finden, wenn sie nach Marzahn kämen. Doch Besucher entdecken hier auch Gärten, die so schön sind, dass sogar Engländer sie lobten.

Im Jahr 2010 überreichte eine Delegation aus Halton, der Partnerstadt von Marzahn-Hellersdorf, feierlich die „Grüne Flagge“, die in Großbritannien als höchste Auszeichnung gilt. Im Erholungspark Marzahn bestaunen nicht nur Gartenenthusiasten acht fantasievoll angelegte Anlagen, darunter mit 2,7 Hektar den größten chinesischen Garten in Europa.

Vier Jahre lang hat es gedauert, bis er im Herbst 2000 eröffnet werden konnte. Die Berliner haben dafür ihre Kontakte ins Reich der Mitte spielen lassen – Peking ist eine der Partnerstädte. Und so haben Chinesen nicht nur die Planung für den „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ übernommen, auch ein beträchtlicher Teil der Baumaterialien und sogar die Möbel für das Chinesische Teehaus kamen per Schiff aus China.

Ein Blick durch die Rundbögen der Loggia in den Hauptgarten des „Giardino della Bobolina“, dem italienischen Renaissancegarten. Wer hier einen Nachmittag oder am besten einen ganzen Tag verbringt, schlendert auf 21 Hektar durch Gärten verschiedener Länder von Japan bis Bali. Von dieser Weltreise ruhen sich die Besucher auf dem Rasen oder im Liegestuhl aus.

Neu ist der Christliche Garten, der erst Ende April eröffnet wurde. Er hat einen 100 Meter langen Wandelgang, der wie ein Kreuzgang um einen Innenhof führt. Ein Schnelldurchlauf bringt wenig. Das Besondere sind die Texte aus der Bibel, von Philosophen und Dichtern, die von großen, gold-lackierten Buchstaben aus Aluminium gebildet werden. Diese Wand aus Worten umgrenzt den Gang an allen Seiten.

Ausgesprochen schön ist der Orientalische Garten mit seinen Rosen, Fliederbüschen, Palmen, mit Oleander, Granatäpfel- und Maulbeerbäumen. Die Architektur lässt an marokkanische Riads oder kunstvoll ausgestattete Moscheen denken. Was ihn so ungewöhnlich macht, ist der großzügige Umgang mit Wasser. Nicht nur in einzelnen Springbrunnen plätschert es: Über einem langen Becken mit dekorativen Bodenfliesen formieren sich Bögen von Wasserstrahlen. Der „Garten der vier Ströme“ trägt seinen Namen zu Recht.

Der Koreanische Garten war ein Geschenk der Stadt Seoul. Von einem Pavillon aus blickt man in eine Landschaft, die der Koreas nachempfunden wurde: mit Felsen, Wasser, Bambus und Kiefern. Große Holzfiguren, „Zang Sung“ genannt, erinnern an schamanische Glaubensvorstellungen im alten Korea.

Zen-Buddhismus in Berlin – im Japanischen Garten hat alles seine klare Ordnung, die Steine sind akkurat geharkt. Der „Garten des zusammenfließenden Wassers“ entstand ebenfalls in Zusammenarbeit von Städtepartnern, in diesem Fall Berlin und Tokio.

Der balinesische Garten der drei Harmonien bietet sich auch für einen Besuch bei schlechtem Wetter an – das Gebäude-Ensemble samt Gartenkunst ist im Gewächshaus untergebracht.

Besonders üppig blüht es im Karl-Foerster-Staudengarten. Angelegt wurde er 1987 zur Berliner Gartenschau, als die Stadt noch in Ost und West geteilt war. Vor drei Jahren erweiterte man ihn. Kinder sind begeistert von dem kleinen Teich in seiner Mitte: Hier klettern – mitten in Marzahn – Frösche über die Blätter der Seerosen.