Partnerschaft als Gebot der Stunde

Aus „Augsburger Allgemeine“ vom 15.06.2002

Gäste aus Marzahn-Hellersdorf und aus Nigeria in Lauingen
Lauingen (E-U).

Die Weltoffenheit der Stadt Lauingen fand in diesen Tagen erneut ihren überzeugenden Ausdruck: Zu einem Empfang, den Bürgermeister Georg Barfuß im Rathausfestsaal für eine Abordnung aus der Partnerstadt Marzahn-Hellersdorf gab, erschien auch Staatssekretär A. M. A. Shekoni vom nigerianischen Staatsministerium für Umweltfragen. Der zwölfköpfigen Delegation aus Marzahn, einer Teilstadt Berlins, gehörten neben Bezirksbürgermeister Dr. Uwe Klett Mitglieder des Bezirksstadtrats, der Verwaltung, der Bezirksverordnetenversammlung und des Städtepartnerschaftsvereins an.
Am Empfang nahmen Lauinger Stadtratsmitglieder aller Fraktionen, Repräsentanten der städtischen Verwaltung und Vertreter der muslimischen Gemeinde teil. Der Besuch Staatssekretär Skekonis aus Lagos war ein Beleg für die Bemühungen Lauingens, im Rahmen der Agenda-21-Zielsetzungen umweltpartnerschaftliche Beziehungen auch mit Entwicklungsländern zu knüpfen. Marzahn wird diese Initiative mittragen: Marcus Kleebaur, Agenda-21-Beauftragter der Stadt Lauingen, wies während des Empfangs darauf hin, dass zwei nigerianischen Praktikanten, die gegenwärtig in Lauingen Methoden der Entsorgung und Abfallverwertung kennen lernen, für eine Woche in Marzahn Gelegenheit haben werden, sich mit großstädtischen Entsorgungsproblemen auseinander zu setzen. Das Motto der Agenda 21 „Global denken, lokal handeln“ ist für Bürgermeister Barfuß und seine Stadträte eine ernsthafte Verpflichtung.
In seiner englischen Begrüßungsansprache warnte er vor der Gefahr, dass Afrika im Zeitalter der Globalisierung zu einem vergessenen Kontinent werden könnte. Nigeria könne nach einer dunklen Periode militärischer Diktatur eine Schrittmacherfunktion bei der Einbindung afrikanischer Staaten in die weltweit sich ausbreitenden Strukturen innovativer Informationsgesellschaften übernehmen. Barfuß dankte in diesem Zusammenhang der Leitung des Lauinger Bildungszentrums für Umweltschutz, der Kölner Carl-Duisberg-Gesellschaft, Bayerns Staatsregierung, Lauingens Agenda-21-Beauftragten Marcus Kleebaur sowie den Firmen Grünbeck, Verotec und RWE für die Unterstützung eines Umweltprojekts in Lagos Island.
Seine Dankbarkeit für diese von Lauingen initiierte Partnerschaft fasste Staatssekretär Shekoni in herzliche Worte. Die zunehmende Globalisierung werde nur dann Konflikte überwinden können, wenn eine Balance zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern hergestellt werden könne. Die partnerschaftlichen Prinzipien, die zu diesem Empfang geführt hätten, seien eine gute Grundlage für eine bessere Zukunft zum Wohle der Menschheit.
Im deutschen Teil seiner Ansprache hatte Bürgermeister Barfuß auf seinen Grundsatz hingewiesen, Freundschaften über alle Parteigrenzen hinweg zu pflegen. Nur so seien Vorurteile in fundierte Urteile zu verwandeln. Die Möglichkeit friedlichen Zusammenlebens auf der Grundlage der Toleranz werde in der Stadt Lauingen mit einem Ausländeranteil von 15 Prozent Tag für Tag praktiziert.
Marzahns Bezirksbürgermeister Dr. Klett, der Mitglied der PDS ist, sieht darüber hinaus in der Verpflichtung aller politischen Kräfte zur Zusammenarbeit eine entscheidende Grundlage für praxisbezogene Effizienz. Diese spezielle Berliner Kooperationsform verdeutliche auch seine Delegation, die Angehörige aller im Stadtparlament vertretenen Parteien umfasse. Der viertägige Besuch der Gäste aus Marzahn war zustande gekommen, weil beide Seiten den Wunsch hatten, die partnerschaftlichen Kontakte auch auf die Mandatsträger und auf die kommunalen Referenten auszudehnen. Dr. Klett lud „den ganzen Stadtrat“ zu einem Gegenbesuch ein.