Sämtliche Partnergemeinden in Marzahn-Hellersdorf zu Gast

Aus dem „Berliner Abendblatt“ vom 10.10.2002

„Ich war noch nie des Nachts in einer Mühle“
Marzahn-Hellersdorf.

„Lieber Uwe lass Dir sagen: Keine Liab brennt so heiss, wia dia zwischn a’n Bayern und an Preiss.“
Dies schrieb der CSU-Mann Georg Barfuss dem PDS-Mann Klett ins Gästebuch. Eine der netten Begebenheiten des Gipfeltreffens der Vertreter der Partnergemeinden Marzahn-Hellersdorfs, bei dem es allerdings auch inhaltsschwer zuging.
Es war das erste Mal, dass sie alle zur selben Zeit angereist waren: aus dem bayerischen Lauingen, den Metropolen Bjelorusslands und Ungarns, dem polnischen Tychy und dem englischen Halton. Das blieb nicht ohne Folgen. Man munkelt bereits von einem Netzwerk der Städtepartnerschaften, das bei diesem Treffen aus der Taufe gehoben worden sein soll. „Schaut’s doch einfach a mal in Lauingen vorbei, wenn ihr auf dem Weg nach Tuttlingen seid“, lud Barfuss die Tychyer ein, die dort eine weitere Städtepartnerschaft unterhalten. „Das machen wir auf jeden Fall“, kündigte Zdzislaw Dzikolowski, der stellvertretende Präsident der polnischen Stadt an.
Auch die Minsker zeigten sich begeistert von der Offerte, bayerische Tipps zu erhalten, beispielsweise dazu, wie man mit Aussicht auf Erfolg einen Antrag auf Fördermittel der Europäischen Union stellt. Regelrecht Zukunftsmusik war bei diesem Thema zu hören, etwa wenn Haltons Bürgermeister Glyn Redican davon sprach, den anderen die eigenen Partnerschaften mit dem tschechischen Usti nad Labem, einer portugiesischen Stadt und einer ganzen chinesischen Region – wie Halton von der Chemieindustrie geprägt – nutzbar zu machen. Die kommende Zeit verspricht also einiges, was Städtepartnerschaften möglich machen könnten. Was diese heute bereits bewerkstelligen, fasste der Bayer Barfuss in folgende Worte: „Ich bin von der CSU, mein Freund Klett von der PDS. Wir kommen miteinander aus, brauchen nicht einmal einen Dolmetscher. Das sind die ersten Früchte der Partnerschaft“, und den Blick noch weiter, fügt er an: „Jeder Tag kalten oder gar heissen Krieges kostet weit mehr, als unsere Städtepartnerschaften zu pflegen und auszubauen.“

Ansonsten gab es die beschriebenen Nettigkeiten mit Besuch in der Marzahner Bockwindmühle – „Ich war noch nie bei Nacht in einer Mühle, ein toller Eindruck“, so Redican – oder des Chinesischen Gartens – „That’s a lovely garden“, was wohl am besten mit „Das ist ja ein ganz entzückender Garten“, übersetzt wird. Dieser Kommentar war aus der englischen Delegation zu hören, wo man einiges an Geschmack in Bezug auf Gärten und Parks voraussetzen kann.
Und immer wieder zu hören waren Komplimente an die Gastgeber. Nicht nur der Bezirk, auch dessen Bewohner hinterliessen den allerbesten Eindruck. lt