Was Lauingen mit Marzahn verbindet

Aus der „Donau-Zeitung“ vom 07.10.2019

Jubiläum Seit 20 Jahren sind die Herzog-Georg-Stadt und der Berliner Bezirk Partner. Das wurde nun mit einem Festakt gefeiert. Doch die Anfänge dieser Beziehung waren nicht einfach. Und so manche Unterschiede bestehen bis heute

Lauingen. Es war eine für damalige Verhältnisse „politisch unkonventionelle Begegnung“, die da Ende der 1990-er Jahre zwischen Lauingen und Marzahn-Hellersdorf stattfand. So bringt es Harald Buttler, der damalige PDS-Bürgermeister des Berliner Bezirks, auf den Punkt. Die „rote Hochburg“ Marzahn sei auf die „schwarze Hochburg“ Lauingen getroffen – und mit Buttler und Georg Barfuß ein linker auf einen konservativen CSU-Bürgermeister. „Wir haben damals das praktiziert, was im Vertrag der Deutschen Einheit steht!“, betont Buttler und meint damit die freundschaftliche Begegnung innerhalb des ehemals geteilten Landes – trotz der Unterschiede.

Die Bürgermeisterinnen von Lauingen und Marzahn, Katja Müller (links) und Dagmar Pohle (rechts), unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Fortsetzung der Städtepartnerschaft. Müller: „Ich wünsche mir, dass diese Verbindung weitergelebt wird.“ Fotos: Horst Löser

20 Jahre ist die Städtepartnerschaft zwischen Lauingen und Marzahn-Hellersdorf nun alt. Zum zweiten Mal wurde sie am Wochenende erneuert. Buttler und Barfuß, die den ersten Freundschaftsvertrag 1999 unterzeichneten, sind längst nicht mehr im Amt. Die Unterschrift auf der erneuerten Absichtserklärung leisteten am Samstag die aktuellen Bürgermeisterinnen Katja Müller (CSU) und Dagmar Pohle (Die Linke).
Die beiden Städte können unterschiedlicher wohl nicht sein, nicht nur, was die politische Gesinnung der Bürgermeister angeht. So leben in Marzahn-Hellersdorf knapp 270000 Menschen, in Lauingen sind es knapp 11000. Zudem war der Berliner Bezirk über Jahrzehnte Teil des Staatsgebiets der DDR, während Lauingen tief im Westen liegt. Ein Umstand, der bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Feierstunde rege diskutiert wurde.
Die Partnerschaft einzugehen sei 1999 nicht leicht gewesen, erzählen die beiden Altbürgermeister. Denn auf beiden Seiten habe es auch neun Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands noch Vorbehalte gegeben. Besonders in der CSU waren damals kritische Stimmen zu hören. Ex-Rathauschef Georg Barfuß tut dies aber ab: „Ein Stadtrat, der die erste Moschee in Bayern genehmigt, erlaubt auch so was.“ Die Partnerschaft einzugehen sei eine wichtige Entscheidung gewesen, das betonen beide Altbürgermeister.

Dieses Schild ist jetzt auf dem Löwenkreisel zu sehen.

Doch was bleibt, 20 Jahre danach? In der Diskussion im Festsaal im Rathaus, an der neben den aktuellen und ehemaligen Bürgermeistern auch die aus Marzahn stammende Linken-Politikerin und Vize-Bundestagspräsidentin Petra Pau teilnahm, geht es immer wieder um die vielen kleinen Unterschiede zwischen Ost und West. Lauingens Bürgermeisterin Katja Müller etwa betont, für sie spiele die ehemalige innerdeutsche Trennung zwar kaum eine Rolle. „Als die Mauer fiel, war ich neun Jahre alt. Da wusste ich nicht einmal, dass es eine gibt.“ Der größte Unterschied zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen aber sei für sie der Dialekt.

Linken-Politikerin Petra Pau betont die Bedeutung der Partnerschaft.

Die beiden Städte sind in den vergangenen Jahren in gewisser Weise zusammengewachsen. Immer wieder besuchen Delegationen aus Lauingen Berlin und andersherum. Der Marzahner Kinderchor „Promenaden-Mischung“ und der Marzahner Kammerchor treten regelmäßig in Lauingen und Umgebung auf. Und vor allem gemeinsame Fußball- und Volleyballturniere sowie regelmäßige Radtouren in Schwaben, Berlin und Brandenburg haben viele Lauinger über die Jahre mit den Marzahnern verbunden.
Insgesamt vier Tage war die aus zwei Bussen bestehende Delegation aus Marzahn zu Besuch. Neben der Feierstunde im Rathaus stand auch die Musik im Vordergrund: Die Berliner Gäste und die Jugendgruppe der Stadtkapelle Lauingen spielten Konzerte. Den Besuch nahm die Stadt auch zum Anlass, ein neues Schild auf dem Löwenkreisel zu enthüllen. Darauf zu sehen sind drei Richtungspfeile, die die Entfernung zu den drei Partnerstädten Marzahn-Hellersdorf, Segrè und Treviglio anzeigen.

Jonathan Mayer