Zum Praktikum nach Tychy

Aus der „Berliner Woche“ vom 4. Januar 2012

Erste Jugendliche aus dem Bezirk in die polnische Partnerstadt verabschiedet

Für die 20-jährige Marzahnerin Annemarie Friedrich beginnt das neue Jahr mit einem ganz besonderen Ereignis. Seit Wochen fiebert sie dem 4. Januar entgegen.

An diesem Tag beginnt ihr viermonatiges Praktikum in einem Kindergarten in der polnischen Partnerstadt Tychy. Viele Jugendliche aus anderen Ländern haben in den vergangenen Jahren ein Praktikum bei sozialen Einrichtungen im Bezirk absolviert. Doch Jugendliche aus Marzahn-Hellersdorf haben von dieser Möglichkeit noch keinen Gebrauch gemacht. So freut sich besonders die Vorsitzende des Städtepartnervereins Petra Wermke darüber, dass Annemarie Friedrich zum polnischen Partner fährt.
Für die 20-jährige ist das nicht so selbstverständlich. Den Schulabschluss der 10. Klasse schaffte sie erst im zweiten Anlauf. Vor fünf Jahren kam sie zufällig zu einer deutsch-französischen Jugendbegegnung. Eigentlich wollte sie nur ihre Sprachkenntnisse aufpolieren. Daraus wurde mehr. Inzwischen gehört Annemarie zum festen Kern der Jugendinitiative Marzahn im Haus „pro social“ am Blumberger Damm 12/14. Sie ist bei fast allen internationalen Jugendbegegnungen dabei. Sie führt Jugendliche durch ihre Heimatstadt und war oft im Ausland. Weil sie keine Ausbildungsstelle bekommen hatte, macht sie verschiedene Praktika, zurzeit im Kindergarten „Knirpsenhaus“. Sie möchte Kindergärtnerin werden. „Doch dazu brauche ich das Fachabitur“, schätzt Annemarie Friedrich ein. Nach einem Brandanschlag auf ihren Kindergarten vor einigen Monaten nahm sie Jugendliche einer internationalen Begegnung aus Tychy und aus Spanien mit zum Arbeitseinsatz. Sie beseitigten Brandschäden, bauten Möbel auf und pflanzten Bäume. „Wenn ich auch keine Lehrstelle gefunden habe“, erklärt Annemarie, „so habe ich die Zeit sinnvoll genutzt, um mich auf den Beruf vorzubereiten. Und durch die Jugendbegegnung habe ich viele Freunde in Tychy gewonnen.“
Bis zum 27. April wird Annemarie Friedrich praktische Erfahrungen in Tychy sammeln. Sie dankt vor allem den Vertreterinnen der Städtepartnerschaft, Ruta Seidel und Petra Wermke, die sich für ihr Praktikum engagiert haben. Annemarie hat die Hoffnung, dass sich durch diese praktischen Erfahrungen auch eine neue Chance für eine Ausbildung ergeben wird. Dabei schließt sie auch die Möglichkeit nicht aus, in Tychy Kindergärtnerin zu lernen „Wenn ich dort die Chance bekommen, werde ich zugreifen“, betont sie. Finanziert wird ihr Praktikum durch das europäische Leonardo- da-Vinci-Projekt, dass sich um solche Auslandsprojekte kümmert. KT