Zwei Jubiläen zum Biesdorfer Blütenfest

Aus „Neues Deutschland“ vom 02.05.2008

Die Geschichte wird an diesem Wochenende im Schauspiel lebendig

Von Klaus Teßmann

Die Biesdorfer haben an diesem Wochenende beim Blütenfest allen Grund zum Feiern: Anfang Mai stehen gleich zwei Jubiläen ins Haus: Das Schloss wird 140 Jahre alt, und der Schlosspark ist seit 80 Jahren als Volkspark für alle geöffnet.

Die Tradition des Biesdorfer Blütenfestes reicht bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts zurück. Damals wurde Biesdorf als Werder des Ostens bezeichnet, weil in den Gärten genauso viele Obstbäume blühten wie in Werder. Der Orts-chronist Karl-Heinz Gärtner hat sich mit der Geschichte des Festes beschäftigt: »Wir wissen, dass es 1911 die erste Obst- und Gartenausstellung in der heutigen Otto-Nagel-Straße 120 gab.« Ab Mitte der 30er Jahre wurde die Gartenausstellung als Blütenfest eine Woche lang zu Pfingsten im Schlosspark Biesdorf gefeiert. Zum Jubiläum »625 Jahre Biesdorf« im Jahre 2000 wurde diese alte Tradition wieder aufgegriffen. Seitdem wurde immer zum Blütenfest ein Bauabschnitt bei der denkmalgerechten Sanierung des Schlosses Biesdorf übergeben.

Auch in diesem Jahr steht das Schloss im Mittelpunkt – diesmal mit einem Jubiläum. Vor genau 140 Jahren machte der Freiherr von Rüxleben seiner frisch angetrauten Anna Pauline die spätklassizistische Turmvilla zum Hochzeitsgeschenk. Da der verarmte Adlige Hans-Hermann Freiherr von Rüxleben keine Knete hatte, griff seine Schwiegermutter – die reiche Witwe Caroline Griebenow – tief in die Taschen und finanzierte den Luxusbau. Wann das Schloss genau fertig wurde, ist nicht bekannt. Ortschronist Karl-Heinz Gärtner weiß nur, dass Anna Pauline Griebenow an ihrem 18. Geburtstag geheiratet hat, am 5. Mai 1868. Also gehen die Heimatforscher davon aus, dass zu diesem Termin vor 140 Jahren das Schloss fertig war, denn ein Hochzeitsgeschenk wollten die frisch Vermählten sicherlich gleich beziehen.

Der Freiherr von Rüxleben verkaufte 1884 das Anwesen Biesdorf an den Freiherrn Günther v. Bültzingslöwen, weil er wieder einmal pleite war. Drei Jahre später verkaufte auch Bültzingslöwen aus finanziellen Nöten an Werner von Siemens.

Der Vorsitzende des Festkomitees, Günter Peters, verweist darauf, dass die Schüler des Wilhelm-von-Siemens-Gymnasiums mit einem Schauspiel am 3. Mai alle Bewohner des Schlosses von 1868 bis 1919 und damit auch die Familie Siemens wieder in den Räumen agieren lassen wollen. Dabei erhalten sie musikalische Unterstützung von den Studenten der Hochschule für Musik »Hanns Eisler«. Zunächst werden die ersten Schlossherren Anna Pauline und Hans-Hermann Freiherr von Rüxleben am Sonnabend um 11 Uhr den Festumzug anführen. Anschließend wird um 11.30 Uhr die Richtkrone aufgezogen und Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (LINKE) eröffnet um 12.15 Uhr auf der Parkbühne das Blütenfest.

Im Mittelpunkt des Blütenfestes stehen nicht nur die Jubiläen, sondern auch die Partnerstadt Minsk. Es werden Ausstellungen mit Fotografien und Malereien aus Belarus gezeigt. Im Park und auf der Parkbühne treten der Minsker Jugendchor »Cantus« und das Akkordeonensemble »Tutti« mehrmals auf. Delegationen aus den Partnerstädten Minsk und Budapest werden begrüßt.